Ein tollen Lebenslauf erstellen ist schon eine Meisterleistung an sich! Aber wenn dann auch noch Kinder dazu kommen, wird die Sache eine echte Herausforderung. Wer nach der Elternzeit in seinen alten Job zurückkehrt, hat dieses Problem erst mal nicht. Wer sich nach der Elternzeit aber neu orientieren muss oder will, sollte sich genauer damit beschäftigen, wie man Kinder im Lebenslauf unterbringen kann.

Ich hatte in meinem Leben schon zwei mal – nach jedem Kind – die Freude, mich als Mutter bewerben zu müssen. Dass die Frage – Kinder in den Lebenslauf ja oder nein – ein echtes Problem für Frauen ist, habe ich in unzähligen Diskussionen mit Freundinnen erlebt. Die Erfahrungsberichte waren fast alle gleich – wer seine Kinder (prominent) im Lebenslauf stehen hat, wird meistens nicht mal zum Gespräch eingeladen! Die Konkurrenz mit Männern – die egal welchen Alters – einfach durchgehend verfügbar sind – oder mit Frauen ohne Kinder, ist einfach zu gross.

Die Antwort auf die Frage scheint also ganz klar – Kinder raus aus dem Lebenslauf! Meine Diskussionen mit anderen Wiedereinsteigerinnen haben das auch immer wieder bestätigt. Katja S., Top BWL Studium, 10 Jahre Arbeitserfahrung im Marketing/Sales bei namhaften Konsumgüterherstellern, zig Bewerbungen, keine Einladung. Kaum nahm sie die Kinder raus, strukturierte den CV um, schon hatte sie eine Einladung, arbeitet heute glücklich bei Nike im Vertrieb. Ich selbst habe meine Kinder auch nicht im Lebenslauf. Aber halt – so einfach ist es trotzdem nicht!

Mit Hilfe meines Coaches hatte ich meinen CV komplett neu geschrieben, im Prinzip alle persönlichen Daten daraus entfernt außer der Adresse – wen geht es  schon was an, dass ich verheiratet bin? – und ihn an mehrere Personalvermittler geschickt. Das Feedback war äußerst positiv. Mehrere sagten mir, dass sie selten so einen tollen CV bekommen würden (Form schlägt Inhalt). Die ersten Einladungen zu Vorstellungsgesprächen ließen nicht lange auf  sich warten. Ich fuhr also nach Frankfurt, hatte ein Gespräch mit dem Geschäftsführer einer renommierten IT-Beratung. Der Mann war äußerst sympathisch. Der Termin lief gut, es ging vor allem ums Kennenlernen, was hatte ich bis jetzt gemacht, was machte diese Firma, was für eine Art Job suchte ich etc. So gut, dass er gleich seinen Co-Geschäftsführer dazu holte, der eigentlich erst in der nächsten Runde dabei gewesen wäre. Insgesamt war ich 3 Stunden dort. Meine Kinder erwähnte ich nicht, es gab – wie ich fand – keinen passenden Moment. Keine große Überraschung – ich wurde zu einem zweiten Gespräch eingeladen. Ich sollte eine Case-Study bearbeiten, das lief aus meiner Sicht nicht mehr ganz so gut. Aber mein Gesprächspartner schien mich immer noch für einen potentiellen Kandidaten zu halten. Am Ende – der erneuten 3 Stunden – fragte er mich, in welchen Positionen ich mich in ihrer Beratung sehen könnte, wie meine Gehaltsvorstellungen seien und wann ich anfangen könnte. Und dann kam´s. Er fragte mich, ob es sonst noch etwas Wichtiges gäbe. Ich sah die Gelegenheit meine Kinder – geschickt – fallen zu lassen. Da mir der lange Anfahrtsweg (Hin- und Zurück im Berufsverkehr mehr als 1 Stunde), fragte ich ihn wie es mit Homeoffice aussehen würde. Zumal ich auch einmal die Woche meine Kinder vom Kindergarten abholen müsste. In dem Moment fiel ihm alles aus dem Gesicht. Wir diskutierten noch ein wenig hin und her und verblieben so, dass wir in zwei Tagen noch mal telefonieren sollten wo wir stehen. In dem Telefongespräch – für das ich mir schon überlegt hatte, wie ich den Job wegen des langen Anfahrtswegs absage – teilte er mir mit, dass sie mir zum aktuellen Zeitpunkt doch kein Jobangebot machen. Es machte doch nicht so gut.

Ich habe über dieses Erlebnis viel diskutiert, unter anderem mit den beiden Job Coaches, mit denen ich lange zusammengearbeitet habe. Wir sind uns einig – hätte ich meine Kinder nicht erwähnt, hätte ich ein Jobangebot gekriegt!

Seine Kinder im Lebenslauf wegzulassen, kann aus meiner Sicht nicht die Pauschal Lösung sein. Sonst steht man unter Umständen am ersten Arbeitstag da und sagt „Ach ja, ich habe Kinder – vergessen zu erwähnen!“. Sehr unglaubwürdig…Und merkwürdig!

Eine CV ohne Kinder hilft einem wahrscheinlich überhaupt erst mal eingeladen zu werden. Aber man läuft Gefahr, seine Energie und Zeit zu verschwenden, wenn das Unternehmen eben doch nicht offen ist für Frauen mit Kindern. Natürlich kann man vorher schlecht sagen, wie die jeweilige Person reagieren wird. Ich würde daher zwei Versionen des CVs vorbereiten. Einmal mit einmal ohne Kinder und sie testweise an ein paar Unternehmen rausschicken, die nicht meine absoluten Traum-Arbeitgeber sind. So bekommt man schon mal Feedback und kann selbst besser einschätzen, mit welchem CV man bessere Chancen hat.

In jedem Fall sollten im CV die eigenen Erfolge und Fähigkeiten im Vordergrund stehen und nicht die letzte Elternzeit! (Siehe Beitrag xxx)